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John Hackett Band – Red Institution – Rezension

Im April 2025 erscheint das neue Album Red Institution der John Hackett Band. Thomas Jesse hat sich damit beschäftigt.

Hintergrund

Vor 10 Jahren hat sich die John Hackett Band gegründet, um Johns Solo Album Another Life 1 live zu promoten. Seit dieser Zeit haben sie viele Live Auftritte gespielt und (Solo) Alben produziert. Aus Anlass dieses Jubiläums haben sich die Musiker zusammengetan, um ein neues Studio Album aufzunehmen. Die Band besteht neben John Hackett (Flöte, Keyboards, Vocals, 12 String) aus Nick Fletcher (Guitars) 2, Duncan Parsons (Schlagzeug) und Jeremy Richardson, (Bass, Lead Vocals, Keyboards, 12 String, Guitars). Alles versierte Musiker 3, von denen vor allem Nick Fletcher mit feinen Alben auf sich aufmerksam gemacht hat.

Der Werbetext spricht von Musikern, die in den 10 Jahren ihres gemeinsamen Spiels zu einer Einheit zusammengewachsen sind, die jedoch ihre individuellen musikalischen Hintergründe aus Rock, Jazz, Prog, Klassik, Pop und Folk nicht verleugnen können. So erwartet die Zuhörerinnen und Zuhörer ein Album impressionistischer Klänge voller Spielfreude, Intelligenz, Kraft, die mal ruhig und bedächtig, mal laut und rockig daherkommen. Begeben wir uns nun in die Musik und schauen, ob diese Worte nachzuvollziehen sind. 

Songs

Stella (5:22)

Der Opener, der von Jeremy Richardson und Duncan Parsons geschrieben wurde, beginnt mit sanftem Schlagzeug, ein an Supertramp erinnerndes Keyboard spielt auf, der Bass setzt Tupfer und der Gesang beginnt. Jeremy Richardson intoniert den Titel, Gitarrenarpeggien tragen zur smoothigen Stimmung bei. Gesanglich kommt er gelegentlich sogar in die Nähe von Brian Ferry. Nicht verwunderlich, dass der locker rockende Popsong an Roxy Music oder 10CC denken lässt. Bemerkenswert ist das schöne Piano Solo ab Minute 4:40. Ein feiner Auftakt, der neugierig macht.

John Hackett Band Red Institution Cover

Theme & Rondo (4:27)

Ein Flötensolo des Komponisten des Stücks, John Hackett, in barockem Gewand, das von Nick Fletchers Gitarre aufgenommen wird, bilden den Auftakt des feinen Instrumentals. Im Jazz Fusion Folk Stil wird musiziert, dass es eine wahre Freude ist. Mal wird es komplex wie bei Gentle Giant, dann schwebend mit einer verträumten Solo Gitarre. Im klasse Finale umtanzen sich schließlich Gitarre und Flöte.

Who Let The Rain In? (5:39)

Eine Flöte lässt den die Regentropfen erklingen, Keyboards und 12 String lassen sie zu einem Regenschauer werden. Ein schönes Spiel zwischen Strophen und Refrain beginnt und verursacht einen Ohrwurm. Ehe es zu melancholisch wird, lässt ein Break die Stimmung kippen. Bis zu einem krachenden Gitarrensolo wird sie getrieben. Schließlich fällt der Krach in sich zusammen und der Regen wird wieder zu einzelnen Tropfen, um im düster dräuenden Synthesizerteppich auszuklingen. Das Duo Richardson, Parsons hat feines Stück komponiert. Hörenswert und eine mögliche Singleauskopplung.

Clare’s Tango (3:41)

Der Synthesizerteppich leitet uns in den nächsten Song. Er wird von einer im Hintergrund des Raumes gefangenen Gitarre aufgenommen. Ein Keyboardsolo bereitet die Bühne für Schlagzeug, Bass und einer jazzigen Gitarre. Immer dramatischer wird das Stück und lädt zum Tango in den Gefilden des Progressiv Rock von UK und Bruford. Ein herrliches, intelligentes Instrumental von Duncan Parsons.

MDLXXXIX (7:52)

M+D+LXXX+IX = 1000+500+80+9 = 1589 … so der Titel. Und tatsächlich ist es die Jahreszahl, in der es in diesem Stück geht. Nach Aussage von Jeremy Richardson thematisiert das Stück die Ereignisse der Englischen Armada im titelgebenen Jahr. Die Musik lässt sich leichter verorten. Hier haben wir progressiven Jazzrock mit Anleihen an UK, Marillion, Weather Report, das Mahavishnu Orchestra und im Finale schaut Steve Hackett vorbei. Es wird herrlich losgelassen musiziert, Soundscapes wechseln mit frickeligem Krach, ein tobendes Schlagzeug tanzt mit einem blubbernden Bass. Die Flöten treiben ihren Schabernack. Von all dem wird der klagende Gesang umrahmt. Ja, da spielt wirklich eine harmonische Band. Das Stück muss ein Livekracher werden. Was ist das nur für ein Titel?

I Talk To The Wind (6:02)

Das wunderschöne King Crimson Stück wurde nicht nur von der John Hackett Band live vorgetragen. Nein, auch sein Bruder hat das schon getan. 4 Was soll man noch Worte über diesen Klassiker verlieren? Ein Paradestück für Johns Flötenkünste. Er bringt sie sanft zum Schweben. Die Instrumente ordnen sich ihm unter, spielen einen zurückhaltenden Reigen, auch um Jeremy Richardson im Duett mit der göttlichen Amy Birks 5 singen zu lassen. Fripp hätte seine Freude daran.

Too Easy (5:43)

Eine coole Rockpop Uptemponummer mit kleinen Melodiewechseln folgt. John Hackett übernimmt den Leadgesang. Nicht nur er, auch der ganze Song erinnert an Al Stewart. Bevor es zu ruhig wird, stimmt die dominierende Gitarre eine schnellere Spielart an. Es wird leicht metallastig musiziert. Da will sich John Hackett nicht lange bitten und gönnt uns noch eine Minute seines gekonnten Gesangs.

The Commitee (6:58)

Bargesang nebst floydiger Gitarre, krautrockig plinkernden Pianokaskaden, geht das? Wenn das alles zu einem Gebräu aus Soul und Funk gerührt wird und in der zweiten Hälfte zum kurzatmigen Jazzrockkracher mutiert, haben wir eines der abwechslungsreichsten und intelligentesten Stücke des Albums gehört. Nicht nur die Instrumentalisten glänzen, nein, auch der Gesang rezitiert die herumirrenden Melodien, Töne und Klänge kongenial. Das Highlight des Albums stammt aus der Feder von Duncan Parsons.

Brotherhood (2:53)

Diese kleine, ruhige Weise wurde von John Hackett komponiert. Der Titel weist daraufhin: Hier wird die musikalisch so befruchtende Bruderschaft zwischen John und Steve zum Thema. Im langsamen Takt umtanzen sich Flöte und Gitarre. An Defector erinnert es, wenn die Flötenschmetterlinge über der schmachtenden Gitarre tanzen. Wunderschön!

Butterfly Banshee (5:55)

Leise tragen uns Gitarre und Piano in den Raum. Erst nach einer Minute öffnet sich dieser, die Musik führt zum Gesang. Der verspielte Ton mit seinen Harmonien, die gelegentlich lauter werdend ausbrechen, erinnert an die Canterbury Musik. Camel und vor allem Caravan stehen hier Pate. Ein Stück von spröder Schönheit. So schnell lässt sich die Banshee nicht einfangen, auch nicht durch eine betörende, finale Flöte. Jeremy Richardson und Duncan Parsons verhalfen ihr zum Leben.

A Country Gentleman (4:40)

… nimmt die Stimmung des Vorgängers auf. Jedoch wird es viel pastoraler. Man möchte meinen, Ant Phillips hat sich mit Voughan Williams zusammengetan. John Hacketts Komposition spielt sogar mit Strings, ehe bei Minute 1.20 die Band einsetzt. Herrlich getragen, schwebend, wie ein Sommertag mit sanfter Brise. Das Duett von Flöte und Piano unterstreicht das impressionistische Bild.

Red Institution (5:05)

Endlich wird es flotter. Den Ausklang bildet eine Losgehrocknummer, bei der der Bass und das Schlagzeug zu gefallen wissen. Immer schneller werdend, tritt erst wieder durch eine Flöte am Ende eine Beruhigung ein. Ja, ein bisschen seichter Prog a la Alan Parsons schließt das Album.

Zusammenfassung

John Hackett Band live

Die John Hackett Band hat ein harmonisches Album voller aufregender Kontraste geschaffen. Musik zwischen Prog – Rock und ruhigen, klassisch angehauchten Songs, zwischen Pop und sogar Folk. Wie die Canterbury Szene es war, so ist das Album: urbritisch. Es herrscht eine pastorale Landstimmung, Jazzrockausflüge kontrastieren damit und besingen die Kultur der Stadt. Die Band musiziert wunderbar miteinander. Trotz aller Harmonie, sind die individuellen musikalischen Einflüsse der Musiker zu hören, Der Gesang von Jeremy Richardson ist eher unauffällig, neigt nicht zu lautstarken Ausbrüche.

Er hält die Songs aber wundersam zusammen. John Hackett besticht vor allem durch sein atemberaubendes Flötenspiel. Neben der Flöte ist Nick Fletchers Gitarre das unbestreitbare Leadinstrument. Wie er zwischen den Stilen, den musikalischen Vorbildern tanzt ist atemberaubend. Er bleibt jedoch immer er selbst und ist einer der ganz großen zeitgenössischen Gitarristen Großbritanniens. Man sollte aber nicht Jeremy Richardsons Bass und Duncan Parsons Schlagzeugspiel unerwähnt lassen, halten sie doch den Laden zusammen, so dass die Solisten immer wieder zurückfinden.

Ein gelungenes, zeitloses Album fern ab aller aktueller Unterhaltungsmusik ist da entstanden, welches die lockerleichte Seite des JazzRock, des Progressive-Rocks zeigt und andere Musikstile (Funk, Soul) ohne zu seicht zu werden bedient. Die Musik bildet den Gegensatz zu dem dunkel, düster gehaltenem Cover. Dort wird eine nächtliche Hauswand dunkelrot beleuchtet. Ein intelligentes Album, das zu hören verlangt, sich über ein Tänzchen aber auch freut. Gute (Rock) Musik muss nicht immer bedeutungsschwanger daherkommen, oder ruhmessüchtig tolle Soli zeigen. Das Album hält sich daran und wird hoffentlich viele Fans finden.

Die Band wird mit dem Album vor allem im UK auf Tournee gehen. Wer die Möglichkeit hat sie zu sehen, sollte sie nutzen. 6

Autor: Thomas Jesse

Referenzen:

1 Siehe: John Hackett – Another Life (2015) – Rezension
2 Siehe die Rezensionen zu Nicks fantastischen Alben
3 Siehe hier
4 Siehe: Steve Hackett – The Tokyo Tapes: Live In Japan (1997)
5 Siehe: Living & Alive (Beatrix Players, 2023)
6 Siehe: Live Shows – Hacktrax

Red Institution erscheint am 11. April 2025. Bisher ist das Album in Deutschland nicht erhältlich, kann aber in John Hacketts Webstore bestellt werden.